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29.06.15 – Interview mit Ilona Schönle (Buy Local, Singen)

Wettbewerb darf kein Problem sein

Die Geschäftsführerin von Buy Local e.V. Ilona Schönle findet Wettbewerb durch Vertikalisierung schlecht, wenn er mit unfairen Mitteln geschieht.

Ilona Schönle
 

stil & markt: Im Falle des Unternehmens Le Creuset haben wir einen weiteren Global Player, der in die deutschen Städte Einzug hält. Wie schätzen Sie diese Veränderung ein?
Ilona Schönle: Herstellereigene Markenshops treten natürlich stets erst einmal in Konkurrenz zu ihren Kunden, dem Fachhandel. Auch tragen sie, ab einer gewissen flächen-
überziehenden Anzahl, zu einer gewissen Vereinheitlichung der Stadtbilder bei. Beides Effekte, im Rahmen der Zielsetzungen von Buy Local, die unerwünscht sind. Allerdings bedarf es hier einer differenzierteren Sichtweise. Gerade was die Haushaltswaren/Glas/Porzellan-Branche betrifft, ist es für Hersteller meiner Einschätzung nach zwischenzeitlich schwierig geworden, überhaupt noch ausreichend viele stationäre Fachhandels-Vertriebspartner zu haben und daher erachten wir jeden Laden, der in dieser Branche eröffnet, für positiv.

stil & markt: Sehen Sie Le Creuset mit seinem Markenshop als ernstzunehmenden Konkurrenten für den deutschen Einzelhandel an?
Ilona Schönle: Fairer Wettbewerb darf ganz generell für kein gutes Unternehmen ein Problem darstellen und so erachte ich auch Markenshops von Herstellern nicht als grundsätzlich existenzbedrohlich für Fachhändler.
Nicht legitim und fair ist es allerdings, wenn mit harten Preisbandagen und Rabattschlachten ins Rennen gezogen wird. Ein Hersteller sollte in Markenstores beispielhaft agieren, was die Inszenierung der eigenen Produkte und das positive Betonen der speziellen Markeneigenschaften betrifft, und im besten Fall damit auch seine Fachhandelskunden motivieren und inspirieren. Schlecht, im Sinne von unfair, was den Wettbewerbsaspekt betrifft, ist es allerdings, wenn Hersteller in ihren eigenen Läden eine Preispolitik mit deutlich negativen Margenauswirkungen für die übrigen Fachhändler betreiben.

stil & markt: Was kann der deutsche Einzelhandel tun, um neben den großen Firmen/Filialen zu bestehen?
Ilona Schönle: Sich auf seine Stärken konzentrieren, die auf jeden Fall in menschlich-persönlichen Beziehungen zu den Kunden vor Ort basieren. Der stationäre Fachhandel kann sehr spezifisch und flexibel auf die regionalen und lokalen Besonderheiten seiner Umgebung reagieren. Veranstaltungen sind eine gute Möglichkeit, die Besonderheiten von Produkten und Waren begreifbar zu machen. Das funktioniert auch sehr gut, wenn man sich mit anderen Händlern des Ortes, seines Viertels oder der Innenstadt zusammentut und sich ergänzende Angebote macht. Das Ein-Kaufen muss für Kunden zu mehr als nur einem Vorgang der Warenbeschaffung gemacht werden. Eine insgesamt hervorragende Möglichkeit, die Besonderheiten eines inhabergeführten Fachgeschäftes ins rechte öffentliche Licht zu rücken, ist natürlich das Mitmachen bei Buy Local. Hier kann man sich bundesweit mit inhabergeführten Fachhändlern vor Ort vernetzen und austauschen und sich branchenübergreifend gute Ideen und Anregungen holen.

Dieses Interview ist Teil unseres Specials: Markenshops auf dem Vormarsch, in dem das Unternehmen, Verbände und Standortvertreter über die Folgen diskutieren.