Durch die Nutzung dieser Website erklären Sie sich mit der Verwendung von technisch notwendigen Cookies einverstanden. Die Website verwendet außerdem Tracking Cookies, um die Nutzung durch Besucher besser zu verstehen und eine bessere Bedienbarkeit zu erreichen. Diese können Sie hier deaktivieren. Mehr dazu in unserer  Datenschutzerklärung.

08.05.15 – Interview mit Sebastian Deppe (BBE, München)

Mitleid ist kein Kaufargument

Der Diplom-Kaufmann Sebastian Deppe, Vorstandsmitglied der BBE Handelsberatung München, sieht den Handel in Zugzwang.

410aa0515sm.jpg

Sebastian Deppe ist seit 13 Jahren für die BBE tätig.

 

stil & markt: Wie schätzen Sie diese Veränderung ein, dass Le Creuset nun auch Markenshops in Deutschland eröffnet?

Sebastian Deppe: Das ist nicht ungewöhnlich, dass Marken eigene Shops eröffnen. In anderen Branchen haben wir das schon länger. Vertikalisierung ist das Gebot der Stunde. Aus meiner Sicht hinkt der Einrichtungsbereich ein bisschen hinter her, der aber jetzt auch diese Entwicklung spürt, die langsam richtig Fahrt aufnimmt.

Als Hersteller ist das eine konsequente Form: Wenn ich eine starke Marke habe und meine Markenpolitik sauber halten will, dann mache ich das in der Regel am besten, indem ich das Geschäft selbst mache.

stil & markt: Was kann der Handel tun, um neben solchen Shops bestehen zu können?

Sebastian Deppe: Wir sehen mittlerweile schon die Gegenreaktionen vom Handel. Eigenmodelle, Verbundgruppen, die eigene Marken machen und die Produkte selber anfertigen lassen. So machen sie sich unabhängig von Herstellern, denn sie können höhere Margen machen, weil man nicht im Preisvergleich ist. Oder Einkaufskooperationen wie z.B. die EK/servicegroup, die ja selbst einkaufen und eine eigene Marke daraus machen, wo sie dann Zugriff drauf haben und sie selbst steuern können.

stil & markt: Bietet der Verkauf über das Internet dann die Lösung?

Sebastian Deppe: Das Thema Internet ist ein schwieriges. Wir machen ja auch viel Unternehmensberatung im mittelständischen Bereich und da hören wir immer „das böse Internet” und „Das ist ja alles schlimm”. Dann gibt’s auch immer Maßnahmen, wo man die Innenstadtschaufenster zuklebt, wo drauf steht: „Wenn ihr weiter im Internet kauft, dann gibt es uns als mittelständische Händler nicht mehr.” Ich sag dann ganz ehrlich: Mitleid ist nicht das richtige Kaufargument. Denn es ist nicht nachhaltig. Es wird vielleicht mal kurz durch die Presse gehen, aber welcher Kunde sagt, ja klar kauf ich dann da.

stil & markt: Was kann der Handel dann tun?

Sebastian Deppe: Man muss sich dem Thema anders nähern, nämlich mit der Frage: Was kann ich bieten? Was ist meine Leistungserbringung? Und wenn ich sage, ich habe Le Creuset-Töpfe, ist das sicherlich nicht so stark, wie wenn ich sage, ich habe eine tolle Auswahl dank Markenvielfalt, man bekommt eine exzellente Beratung, man kann Probekochen.

Meinen Händlern stelle ich immer die Frage: Warum soll ich bei euch einkaufen und nicht woanders? Die reine Marke kann ich überall kriegen, das ist die Herausforderung, die wir heute haben.

Dieses Interview ist Teil unseres Specials: Markenshops auf dem Vormarsch, in dem das Unternehmen, Verbände und Standortvertreter über die Folgen diskutieren.