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23.01.18 – Zukunft des Einkaufens

Herausforderung Digitalisierung

Welche Chancen hat der stationäre Handel, welche Herausforderungen wird er meistern müssen? Fragen wie diese beantwortet die neue stil & markt-Rubrik „Zukunft des Einkaufens“.

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Autorin Heike Scholz. © Heike Scholz

 

Eine Bitkom-Befragung von 500 stationären und Online-Händlern hat ergeben, dass die Digitalisierung für 66 % die derzeit größte Herausforderung darstellt. Insgesamt sind die Ergebnisse eher traurig. 77 % der Händler sehen sich selbst als Nachzügler in Sachen Digitalisierung. 16 % betrachten sich als Vorreiter und 3 % gehen davon aus, dass sie den Anschluss verpasst haben. Es zeigte sich denn auch, dass jeder dritte stationäre Händler keinen Internetauftritt besitzt. 65 % bespielen einen Online- und Offline-Kanal – und 28 % haben weiterhin nur ein stationäres Standbein.

Schwache Investitionsneigung

Bei den Investitionen sind die Händler sehr zögerlich. 76 % aller Befragten gaben 2016 weniger als 10 % des gesamten Jahresumsatzes für die Digitalisierung aus. Auch bei ihren Planungen für das kommende Jahr wollen die Händler keine großen Sprünge machen. Beim Einsatz digitaler Anwendungen ist die klassische Bürosoftware inzwischen Standard: Zwei Drittel der Händler verschicken ihre Rechnungen elektronisch, je 49 % haben ein Warenwirtschaftssystem in Echtzeit. Nur bei knapp jedem vierten Unternehmen aber wird der Einsatz smarterer Software wie Cloud Computing oder Big Data Analytics diskutiert oder ist geplant. Als größten Vorteil der Digitalisierung sehen die Händler vor allem, dass ihr Alltagsgeschäft vereinfacht wird. Abschreckend empfinden sie vor allem den hohen Aufwand für Datenschutz (86 %) und die Investitionskosten (81 %).

Blicken die Händler ins Jahr 2030, sind sie aber dennoch optimistisch: Rund 65 % meinen, dass das Bezahlen beim Verlassen des Geschäfts automatisch abläuft. Mehr als jeder Zweite (53 %) denkt, dass Waren bis dahin im stationären Handel auch über Virtual Reality erlebbar sein werden. 61 % sehen Läden dann in der Rolle eines Showrooms, in dem Produkte getestet und anschließend im Online-Shop des Händlers bestellt werden können.

Es liest sich ein wenig wie „Wunsch und Wirklichkeit“, denn woher sollen die innovativen Check-Outs oder Virtual Reality-Anwendungen kommen, wenn die Bereitschaft, in solche Lösungen zu investieren, nur wenig vorhanden ist? Wie soll ein Geschäft zu einem Showroom werden, wenn heute noch nicht einmal die Hälfte der Händler ein Warenwirtschaftssystem hat?

Vielleicht dachte so manche(r), die/der bei der Befragung mitgemacht hat, 2030 sei ja noch soooo lange hin und es bliebe noch genug Zeit dafür. Das ist faktisch vollkommen richtig, es sind noch über zwölf Jahre bis dahin. Doch ein kurzer Blick auf die letzten zehn Jahre sollte jedem klar machen, dass dies im digitalen Raum geradezu "Jahrhunderten" entspricht. Kundenbedürfnisse, Technologien, Konkurrenten und digitale Giganten ... all dies werden wir in zwölf Jahren nicht wiedererkennen. Erinnern Sie sich noch an 2007? Da wurde in den USA das iPhone vorgestellt und Microsoft-CEO Steve Ballmer ließ verlauten: „There's no chance that the iPhone is going to get any significant market share. No chance.“