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26.08.19 – Zukunft des Einkaufens

Das Ende der reinen Shoppingmeile

Einkaufsstraßen, die einzig von Einzelhandelsgeschäften geprägt sind, haben bald ausgedient. Unsere Gastautorin Heike Scholz hat Vorschläge zur Umnutzung.

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Gast-Autorin Heike Scholz. © Heike Scholz

 

Alle Zahlen zur Entwicklung des Einzelhandels, zum Wachstum des Online-Handels und zu den immer noch wachsenden Einzelhandelsflächen deuten darauf hin, dass man sich in vielen Lagen – vor allem auch in den Klein- und Mittelstädten – von der früheren prägenden Präsenz des Einzelhandels verabschieden muss. Diese Erkenntnis ist vor allem auch deshalb so schmerzlich, weil es an positiven Zukunftsbildern fehlt: Gerade weil unser Bild einer attraktiven florierenden Einkaufsstraße so sehr vom Einzelhandel geprägt ist, fehlt es noch an Alternativen. Eine stärkere Nutzungsmischung liegt als Antwort auf der Hand. Gleichzeitig ist klar: Die vorhandenen Gebäude werden sicher nicht alle ersetzt werden – der Umbau und die Anpassung der vorhandenen Strukturen wird neben den strategischen Überlegungen zu einer Hauptaufgabe. Hier liefert die Studie „Einkaufsstraßen neu denken – Bausteine für neue Perspektiven“ von Rolf Junker und Holger Pump-Uhlmann Beispiele und vor allem auch Hinweise zu Handlungsoptionen.

Chancen für moderne Einkaufsstraßen

Neben konkreten Ansätzen für den Umbau vorhandener baulicher Strukturen bietet die Studie auch einen Leitfaden für die Ermittlung von Perspektiven für solche Einzelhandelslagen. Die von der StadtBauKultur NRW herausgegebene Publikation zeigt, dass der notwendige Umbau der Innenstadt keine Verlustgeschichte sein muss, sondern viele Chancen für eine zukunftsfähige Weiterentwicklung bietet. Ina Scharrenbach, Ministerin für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung des Landes Nordrhein-Westfalen: „Innenstädte sind seit jeher zentrale Punkte unseres Zusammenlebens. Handel, Arbeiten, Treffpunkt, Kommunikationskerne, Wohnen, Veranstaltungen und vieles mehr passiert in den Zentren unserer Städte. Doch jede Bürgerin und jeder Bürger merkt es: Unsere Innenstädte wandeln sich, verändern ihr Gesicht. […] Den Verantwortlichen vor Ort brennen insbesondere folgende Fragen auf den Nägeln: der Strukturwandel im Einzelhandel, ein ausreichendes Wohnraumangebot, die Nachnutzung von Brachflächen und die Verwahrlosung öffentlicher Räume. […]“

Konkrete Optionen zur Umnutzung

Ein genereller Aspekt gilt für alle Formen einer funktionalen Umnutzung: Gut gestaltete öffentliche Räume bilden das Lebenselixier der Innenstädte! Dabei sollten zu Beginn folgende zentrale Fragen geklärt werden: Was ist bei einer funktionalen Umnutzung funktional und stadträumlich angemessen? Und: Was geben die Baustrukturen, Erschließungen und Gebäude her?

Folgende konkreten Vorschläge liefert die Studie:

  • Option 1: Dienstleistungen  Einfacher Nutzungsaustausch mit minimalem Kostenaufwand: Einzelhandel wird durch Dienstleister ersetzt.  Meist: Schaffung von Parkplätzen vor der Tür erforderlich.
  • Option 2: Innerstädtisches Wohnen   Umnutzung von ehemaligen Ladengeschäften zu Wohnungen bzw. wohnungsnahen Nutzungen.  Verbesserung des Wohnumfelds durch begrünte Innenhöfe und quartiersbezogene Lösungen für die Unterbringung des ruhenden Verkehrs.  Nutzung der Erdgeschosse zur Einrichtung von gemeinschaftlichen Bereichen wie zum Beispiel Lobbys, Paketstationen etc.
  • Option 3: Urbane Produktion – Handwerk und Gewerbe im innerstädtischen Kontext   Nutzung des Potenzials bestehender, funktional gestörter Geschäftsstraßen sowie etwaig vorhandener Brachflächen, um die Lebendigkeit des Stadtzentrums zu erhalten und zu verbessern.  Integration von Flächen für Handwerk, Gewerbe und Dienstleister in umzunutzende oder neu zu errichtende Einzelhandels- und Wohnimmobilien.
  • Option 4: Partielle Umnutzungsoptionen  Konzentration gastronomischer Lokale an geeigneten Straßen oder Plätzen mit besonders hoher Aufenthaltsqualität.  Ansiedlung unterschiedlicher, nachfragebezogener Konzepte.