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07.05.14

Ist die Sonntagsschließung noch zeitgemäß?

In manchen Orten dürfen Geschäfte fast jeden Sonntag öffnen, anderswo an vier, an sechs oder an acht. In Schleswig-Holstein wurde die Sonntagsöffnung durch die neue Bäderverordnung reduziert, in Brandenburg wird zum Thema dieses Jahr ein Monitoring durchgeführt. Einzelhandelsverbände fordern eine bundesweit einheitliche Regelung und mehr Freiheit für die Unternehmen, Gewerkschaften und Kirchen wollen den Sonntag frei halten.

Wir lassen Vertreter beider Seiten zu Wort kommen: Ulrich Dalibor, Bundesfachgruppenleiter Einzelhandel bei ver.di ist dafür – Lovro Mandac, Vorsitzender der Geschäftsführung von Kaufhof hat gute Gründe für eine Sonntags-Öffnung der Geschäfte.

Ulrich Dalibor

Pro: Bundesfachgruppenleiter Einzelhandel bei ver.di

Foto: Comece

 
Lovro Mandac

Contra: Lovro Mandac, Vorsitzender der Geschäftsführung von Kaufhof

 

Pro: Ja! Selbstverständlich! Hier steht eine über nationale, kulturelle und religiöse Grenzen geschätzte Errungenschaft zur Diskussion.

Alle Argumente sprechen für den umfassenden Schutz des arbeitsfreien Sonntags. Nicht ohne Grund findet sich in unserer Verfassung der entsprechende Artikel und gerade deshalb hat das Bundesverfassungsgericht dem Verkauf an Sonntagen enge Grenzen gesetzt.

Der Alltag ist für die große Mehrheit von uns zunehmend rastlos geworden. Arbeitsverdichtung, flexible Arbeitszeiten, gerade im Einzelhandel, aber auch immer mehr Anforderungen im Privatleben setzen uns zu. Der arbeitsfreie Sonntag bildet eine Ruheinsel, in der Menschen gemeinsam Zeit nach ihren Bedürfnissen verbringen können - sei es mit der Familie, mit Freunden, beim Gottesdienst, beim Sport, bei Ausflügen oder um sich nur auszuruhen.

Wer für die Freigabe von Ladenöffnungszeiten nun auch am Sonntag plädiert, übersieht die gravierenden Folgen: Arbeit und Konsum werden zum Mittelpunkt des Lebens deklariert. Gleichzeitig wird der Wert eines gemeinsamen arbeitsfreien Tages völlig in Frage gestellt. Oft verweisen die Anhänger des Dauershoppings auf Beschäftigtengruppen, die schon lange an Sonn- und Feiertagen arbeiten, übersehen jedoch, dass ein gewaltiger Unterschied zwischen Arbeit in Krankenhäusern, bei der Feuerwehr oder in Kultureinrichtungen auf der einen, in Kaufhäusern und Einkaufscentern auf der anderen Seite besteht.

Einkaufen ist keine gesellschaftliche Notwendigkeit, kein Event. Wir brauchen einen besseren Umgang mit Zeit, mehr Möglichkeiten, Freizeit gemeinsam zu verbringen, gerade am Sonntag.

Contra: Kürzlich hat das Parlament im katholisch geprägten Polen das Verbot der Sonntagsöffnung aufgehoben. In unserem Land hält die Politik dagegen konsequent an der Ungleichbehandlung von Online-Handel und stationärem Einzelhandel fest. Dabei entspringt das Verbot der Sonntagsöffnung einer Zeit, in der das Internet mit Einkaufen noch gar nichts zu tun hatte. Heute sind die Internet-Riesen auf dem Vormarsch, auch weil die Politik ihnen deutlich mehr Verkaufszeiten einräumt als den stationären Einzelhändlern.

Mir geht es nicht darum, für den stationären Einzelhandel einen Schutzraum vor dem Internet zu errichten. Ein Händler, der sich nicht an die veränderten Wettbewerbsbedingungen anpasst, wird scheitern. Der Kunde hat die Erwartung, seine priorisierte Einkaufsstätte sowohl im Internet als auch in der Fußgängerzone jederzeit aufsuchen zu können. Galeria Kaufhof verbindet die unterschiedlichen Verkaufskanäle in einer integrierten Multi-Channel-Strategie. Ab Juli 2014 werden unsere Kunden und Mitarbeiter mittels mobiler Tablets in den Filialen auf ein erweitertes Online-Angebot von galeria.de zurückgreifen können.

Wenn online und stationär zusammenwachsen, ist eine Diskriminierung eines Verkaufskanals bei den Öffnungszeiten nicht länger zu rechtfertigen. Erst eine Liberalisierung der Sonntagsöffnung schafft gleiche Ausgangsbedingungen für alle Marktbeteiligten und Entscheidungsfreiheit für die Kunden. Der Politik sollte zudem bewusst sein, dass Arbeitsplätze, attraktive Innenstädte und Steuern in erster Linie vom örtlichen Einzelhandel abhängen und nicht von internationalen Internethändlern.