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14.02.18 – Gastbeitrag: Zukunft des Einkaufens

Die Story vom Online-Offline-Krampf

Sie schießen wie Pilze aus dem Boden: Start-ups, die den „digital zurückgebliebenen stationären Händlern“ als lokaler Marktplatz den Weg in die digitale Welt aufzeigen wollen. Gastautor Frank Rehme warnt vor Schnellschüssen und rät, Ressourcen überlegt einzusetzen.

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Frank Rehme ist Mitgründer und Autor von www.zukunftdeseinkaufens.de. Er verfügt über jahrelange Erfahrung als Head of Innovations in einem DAX30-Handelskonzern und gilt als einer der wichtigsten Vordenker im Bereich Retail-Innovation und Zukunftsgestaltung. Rehme zeigt und erarbeitet als Unternehmer, Strategieberater, Speaker und Managementcounsel praxisgerechte Antworten auf die Fragen der Zukunft. © Frank Rehme

 

Mit viel Investorengeld im Rücken werden Portale auf die Beine gestellt, die den kleinen Händlern ein Stück Webshop zur Verfügung stellen und damit eine Antwort auf Amazon & Co. sein sollen. Im Laufe der Projekte kommt dann schnell die Ernüchterung: Wer besorgt den Content? Brauchbare freigestellte Produktbilder und rechtlich einwandfreie Artikelbeschreibungen benötigen viel Zeit und Kompetenz.

Noch komplexer ist die Bestandsführung in Echtzeit, da die Durchdringung mit Warenwirtschaftssystemen nicht wirklich tief ist. Ein Webshop, der Artikel aufführt, die in Wahrheit nicht mehr lieferbar sind, wird tendenziell nicht wieder besucht. Dazu kommt die Logistik: Am Thema „Same Day Delivery“ haben sich schon viele die Zähne ausgebissen.

Umdenken zur richtigen Zeit

Allzu oft wird der Aufwand schlichtweg unterschätzt. Zudem verpassen viele, sich zu fragen: Warum genau machen wir das? Unterm Strich zeigt sich: E-Commerce für kleine Händler kann zwar neue Kundengruppen für das Format begeistern, jedoch lenken diese Anstrengungen von einer zentralen, zukünftigen Aufgabe ab: Freizeitangebot statt Versorger zu sein und den stationären Handel zum sozialen Netzwerk auszubauen, das Inspiration und Erlebniswert bietet.

Ganz ehrlich: Selbst die hübscheste Start-up-Plattform schafft es nur schwer in das „Relevant Set“ der Webshops potenzieller Kunden. Der Durchschnittsnutzer hat etwa zehn Anlaufstellen, darunter sicherlich Amazon, eBay & Co., bei denen er regelmäßig einkauft. Mit einer lokalen Plattform ist es äußerst schwierig, sich daneben zu etablieren. Eines muss sich daher jeder Händler verdeutlichen: Der lokale Webshop sorgt maximal dafür, dass man dem virtuellen Wettbewerb hinterherrennt. Ob man das Tempo, das die Top Player vorlegen, halten kann oder überhaupt erreicht, halte ich für mehr als fraglich.

Was ist der richtige Weg?

Das kann keiner pauschal beantworten, jedoch kann man aus bisherigen Projekten viel lernen. Andreas Brill von „Business 4 Brand“ rät Händlern folgendes:

  • Verschaffe dir qualifiziert ein Gesicht im virtuellen Raum. Zeige dem Internet-Surfer, dass es sich lohnt, bei dir vorbeizukommen.
  • Unterstütze den „ROPO“-Prozess (Research Online, Purchase Offline, also „online stärkt offline“). Dein Sortiment und die Verfügbarkeit müssen sichtbar sein – aber ohne den beschriebenen Aufwand.
  • Wenn du doch im Web verkaufen willst: Nutze den, der eine Plattform hat, die jeder kennt und der alle, aber auch wirklich alle Prozesse im Griff hat.

Klingt eigentlich ganz einfach – in jedem Fall lohnt es sich, diese Strategie zu verfolgen und weiterzuentwickeln. Wohin sich der stationäre Handel in Zukunft bewegt, bleibt dennoch spannend.