08.10.26 – Porzellanmanufaktur vor dem Aus
Kahla stellt Betrieb ein
Die Rettung der Thüringer Traditionsmarke ist gescheitert. Nach erfolgloser Investorensuche soll Kahla Porzellan den Geschäftsbetrieb bis Ende 2026 geordnet auslaufen lassen. 96 Beschäftigte sind betroffen.
Kahla Porzellan hat das Aus am Mittwoch, 7. Oktober, über den eigenen Instagram-Kanal öffentlich gemacht: „Wir schließen unseren Betrieb. Bereits im März hatten wir Insolvenz angemeldet. In den letzten Monaten gab es viele Gespräche mit potenziellen Investoren. Diese waren jedoch leider nicht erfolgreich. Aus eigener Kraft schaffen wir es nicht, die Produktion weiter zu halten. Damit endet eine lange Tradition und auch uns tut es im Herzen weh. Schritt für Schritt endet nun unsere Produktion. Sowohl unser Werksverkauf als auch unser Onlineshop laufen aber erstmal weiter.“
Wie der MDR berichtet, scheiterten zuletzt Verhandlungen mit einem türkischen Interessenten. Insolvenzverwalter Rolf Rombach nennt hohe Energiekosten als wichtigsten Grund. Der Betrieb soll bis Jahresende geordnet auslaufen.
Eine Geschichte mit Brüchen
Die industrielle Porzellanproduktion in Kahla begann 1844 mit Christian Eckardt. Nach Eigentümerwechseln und der DDR-Zeit im VEB Feinkeramik umfasste der Verbund 1979 17 Werke und rund 18.000 Beschäftigte. Nach der Treuhand-Privatisierung 1991 folgte 1993 der Konkurs.
1994 gründete der frühere Rosenthal-Manager Günther Raithel die Kahla/Thüringen Porzellan GmbH neu. Investitionen und ein konsequenter Designkurs machten Kahla zur vielfach ausgezeichneten Marke; mehr als 100 internationale Designpreise kamen zusammen. 2000 wurde das Unternehmen Familienbetrieb der Familie Raithel.
Rettung 2020, neue Insolvenz 2026
Im März 2020 geriet Kahla nach einem gescheiterten Großprojekt erneut in Insolvenz. Ein halbes Jahr später übernahm Geschäftspartner Daniel Jeschonowski den Betrieb; aus der geplanten Lieferbeziehung für seine Firma Senator wurde eine vollständige Übernahme. Seit September 2020 firmiert Kahla als Porzellanmanufaktur Kahla/Thüringen GmbH.
2023 drohte wegen stark gestiegener Gaspreise ein Produktionsstopp. Im Frühjahr 2026 folgte der Insolvenzantrag – begründet mit schwächerer Auftragslage, Kaufzurückhaltung in der Gastronomie und hohen Energiekosten. Die Produktion lief zunächst weiter.
Mehr als eine Werksschließung
Jetzt ist die Suche nach einer Zukunftslösung beendet. Für die GPK-Branche endet damit nach 182 Jahren ein Stück deutscher Porzellan- und Designgeschichte.



